Am 9. Juli hat Anthropic eine Kampagne gestartet, die aus dem üblichen KI-Marketing herausfällt. Sie heißt ‘Inviting hard questions’ — und statt zu erklären, wie großartig die Produkte sind, fragt die Firma die Öffentlichkeit nach ihren schwierigsten Fragen zur KI.
Worum es geht
Anthropic bittet Menschen aktiv, ihre härtesten Fragen einzuschicken: Fragen zu den Folgen von KI für Jobs, Gesellschaft und Familien. Fragen dazu, wie sich das Potenzial von KI für Wissenschaft und Medizin wirklich einlösen lässt. Und im Gegenzug will die Firma öffentlich nachhalten, welche konkreten Schritte sie unternimmt, um diese Fragen zu adressieren.
Auf der Kampagnenseite stehen Fragen wie: ‘Wer entscheidet über die Regeln für KI?’, ‘Kann KI meinen Kindern eine bessere Zukunft geben?’, ‘Macht KI die Welt gefährlicher?’ und ‘Kann KI Wissenschaftlern helfen, Krankheiten zu heilen?‘
Nicht aus dem Nichts
Die Kampagne kommt nicht überraschend. Anthropic hat monatelang Vorarbeit geleistet: 52.000 Amerikaner wurden zu ihren größten Hoffnungen und Sorgen befragt, 81.000 Claude-Nutzer in 159 Ländern über den ‘Anthropic Interviewer’ interviewt, dazu Dutzende Fokusgruppen und die Auswertung anonymisierter Nutzungsdaten. Für den TV-Spot hat die Londoner Agentur Mother gearbeitet.
Es ist also eine Marketing-Kampagne — aber eine mit einer ungewöhnlichen Mechanik: öffentliche Sorgen einsammeln und öffentlich Rechenschaft ablegen.
Meine Einordnung
Ich bin bei solchen Kampagnen erst mal skeptisch. Ein KI-Anbieter, der die ‘harten Fragen’ zur KI selbst stellt, kontrolliert damit auch, welche Fragen im Rampenlicht stehen und welche nicht. Das ist geschickte Kommunikation.
Aber es gibt einen Teil, der zählt: das Versprechen, öffentlich nachzuhalten, was die Firma tut. Daran kann man sie messen. Eine Kampagne, die ‘Macht KI die Welt gefährlicher?’ plakatiert, setzt sich selbst unter Zugzwang — denn jetzt schaut man hin. Ob am Ende echte Transparenz oder nur schöne Selbstdarstellung herauskommt, entscheidet sich nicht am Spot, sondern an dem, was in den nächsten Monaten wirklich dokumentiert wird. Ich schaue mir das an.
Quellen: