Anthropic dreht an der Preisschraube — und zwar kräftig. Ab sofort werden Enterprise-Kunden nicht mehr pauschal abgerechnet, sondern nach tatsächlichem Compute-Verbrauch. Dazu kommt eine Grundgebühr von 20 Dollar pro Nutzer und Monat.
Was sich ändert
Bisher zahlten Unternehmen bis zu 200 Dollar pro Nutzer im Monat — egal wie viel sie Claude nutzten. Das neue Modell: eine niedrigere Grundgebühr plus variable Kosten je nach Rechenleistung. Klingt erstmal fair, oder?
Das Problem: Wer Claude Code oder Cowork intensiv nutzt, könnte am Ende deutlich mehr zahlen. Laut Fredrik Filipsson von Redress Compliance könnten sich die Kosten für manche Enterprise-Kunden verdreifachen.
Warum jetzt?
Die Zahlen machen den Druck deutlich: Die wöchentlich aktiven Nutzer von Claude Code haben sich zwischen Januar und Februar verdoppelt. Mehr Nutzer, mehr Compute, höhere Kosten für Anthropic. Eine Flatrate wird da schnell zum Verlustgeschäft.
Gleichzeitig steht Anthropic vor einer möglichen IPO und muss Investoren zeigen, dass das Geschäftsmodell skalierbar ist. Usage-basierte Preise sind der Branchenstandard — OpenAI und Google fahren ein ähnliches Modell.
Der Kontext macht es brisant
Diese Ankündigung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Parallel kämpft Anthropic mit Vorwürfen, Claude heimlich gedrosselt zu haben (wir haben heute darüber berichtet). Und am 15. April gab es einen dreistündigen Ausfall.
Höhere Preise, wahrgenommene Qualitätsprobleme und Infrastruktur-Wackler — das ist keine gute Kombination, wenn du gerade versuchst, Enterprise-Kunden zu überzeugen.
Meine Einordnung
Usage-basierte Abrechnung ist prinzipiell sinnvoll. Du zahlst, was du nutzt. Aber der Zeitpunkt und die Kommunikation sind fragwürdig. Wer gerade $200/Monat für eine Flatrate zahlt und plötzlich das Dreifache berappen soll, wird sich fragen, ob er nicht doch mal Codex oder Gemini ausprobieren sollte.
Anthropic muss jetzt liefern — nicht nur bei den Features, sondern auch beim Vertrauen.
Quellen: