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Anthropic beschuldigt Alibaba: 25.000 Fake-Accounts destillierten Claude

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Anthropic hat in einem Brief an den US-Senat und das Weiße Haus Alibaba beschuldigt, mit 25.000 gefälschten Konten und 28,8 Millionen Anfragen systematisch Claude-Fähigkeiten abgesaugt zu haben.

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Das ist kein kleiner Vorfall. Anthropic hat in einem Brief an den US-Senat und das Weiße Haus offiziell Alibaba beschuldigt, eine großangelegte Kampagne zur illegalen Destillation von Claude durchgeführt zu haben. Es ist das erste Mal, dass Anthropic einen der großen chinesischen Tech-Konzerne namentlich nennt — bisher ging es nur um kleinere Startups wie DeepSeek, MiniMax und Moonshot AI.

Was passiert ist

Zwischen dem 22. April und dem 5. Juni 2026 haben Operateure, die laut Anthropic mit Alibabas Qwen-KI-Lab verbunden sind, über knapp 25.000 gefälschte Accounts insgesamt 28,8 Millionen Austausche mit Claude erzeugt. Das Ziel: Software-Engineering und agentisches Reasoning — also genau die Fähigkeiten, die Claude wirtschaftlich am wertvollsten machen.

Die Methode nennt sich ‘adversarial distillation’. Dabei wird ein fortgeschrittenes Modell systematisch mit Prompts bombardiert, um dessen Reasoning-Muster und Datenstrukturen zu extrahieren. Die Antworten fließen dann ins Training eigener Modelle — und umgehen so Millionen Dollar an Forschungs- und Entwicklungskosten.

Warum das wichtig ist

Die Beschuldigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Spannungen zwischen US-KI-Unternehmen und China ohnehin auf einem Höhepunkt sind. Fable 5 und Mythos 5 sind seit dem 12. Juni offline, nachdem das Weiße Haus eine Exportkontrollanordnung erlassen hat. Und jetzt liefert Anthropic gewissermaßen die Evidenz nach, warum solche Kontrollen aus ihrer Sicht nötig sind.

Für Alibaba und das Qwen-Team ist die Anschuldigung heikel. Qwen ist eines der stärksten Open-Source-Modelle aus China und hat in den letzten Monaten rapide aufgeholt. Die Frage, wie viel davon auf eigenem Training basiert und wie viel auf ‘geborgte’ Fähigkeiten zurückgeht, wird jetzt unweigerlich lauter gestellt.

Meine Einordnung

Destillation ist in der KI-Welt nichts Neues — viele Labore machen das in irgendeiner Form. Aber 25.000 Fake-Accounts und fast 29 Millionen Anfragen über sechs Wochen sind eine andere Dimension. Das ist keine Grauzone mehr, das ist industrielle Spionage mit KI-Werkzeugen.

Gleichzeitig muss man sehen: Anthropic hat ein Interesse daran, diese Geschichte genau jetzt öffentlich zu machen. Während die Verhandlungen mit dem Weißen Haus über die Freischaltung von Fable 5 laufen, schadet es nicht, den Senatoren zu zeigen, warum amerikanische KI-Modelle vor chinesischem Zugriff geschützt werden sollten.

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Aber die Zahlen sind beeindruckend — und beunruhigend.


Quellen: