Nachdem Trump Anthropic von allen Regierungsbehörden verbannt und das Pentagon das Unternehmen als „Supply Chain Risk” eingestuft hat, hätte man erwarten können, dass Dario Amodei einknickt. Das Gegenteil ist der Fall.
„Das Amerikanischste, was man tun kann”
In einem ausführlichen CBS-Interview am Wochenende ging der Anthropic-CEO in die Offensive. Seine Kernbotschaft: „Wir sind patriotische Amerikaner. Alles, was wir getan haben, war im Interesse dieses Landes und der nationalen Sicherheit der USA.”
Und dann der Satz, der hängen bleibt: „Mit der Regierung nicht einverstanden zu sein ist das Amerikanischste, was man tun kann.”
98 Prozent Ja, 2 Prozent Nein
Amodei betonte, dass Anthropic 98 bis 99 Prozent der militärischen Anwendungsfälle unterstützt. Die roten Linien betreffen ausschließlich zwei Bereiche: autonome Waffen ohne menschliche Kontrolle und die massenhafte Überwachung amerikanischer Bürger. Keine exotischen Forderungen – sondern Prinzipien, die auch in der Genfer Konvention verankert sind.
„Anthropic wird das überleben”
Besonders bemerkenswert: Amodeis Gelassenheit gegenüber den wirtschaftlichen Folgen. „Anthropic wird überleben”, sagte er und relativierte den Schaden. Die Supply-Chain-Risk-Einstufung betreffe nur Militärverträge – ein vergleichsweise kleiner Teil des Geschäfts. Der Rest? Läuft weiter.
Dass die Claude-App parallel dazu auf Platz 1 im App Store geschossen ist, dürfte seine Zuversicht nicht geschmälert haben.
Klage angekündigt
Anthropic hat angekündigt, die Einstufung als Sicherheitsrisiko juristisch anzufechten. „Wenn wir eine formelle Mitteilung erhalten, werden wir sie prüfen und vor Gericht anfechten”, so Amodei. Es wäre das erste Mal, dass ein US-Technologieunternehmen gegen eine solche Einstufung klagt.
Meine Einordnung
Was hier passiert, ist größer als ein Vertragsstreit. Anthropic hat eine Grundsatzentscheidung getroffen – und steht dazu, auch wenn es wehtut. In einer Branche, in der die meisten Unternehmen leise kuschen, wenn Washington ruft, ist das bemerkenswert.
Ob es langfristig die richtige Entscheidung war, wird sich zeigen. Aber dass ein KI-Unternehmen öffentlich sagt „Nein, nicht so” – das hat es in dieser Form noch nicht gegeben.
Quellen: