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Alibaba verbietet Claude Code — und zeigt, wie geopolitisch KI-Tools geworden sind

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Alibaba sperrt Claude Code für alle Mitarbeiter ab dem 10. Juli. Der Grund: versteckter Tracking-Code, der chinesische Nutzer identifizierte. Die Geschichte dahinter ist komplizierter, als beide Seiten zugeben.

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Es passiert nicht oft, dass sich zwei Tech-Giganten gegenseitig des Spionierens bezichtigen. Aber genau das ist gerade zwischen Anthropic und Alibaba passiert — und mittendrin steht Claude Code.

Was passiert ist

Alibaba hat am 3. Juli eine interne Anweisung herausgegeben: Ab dem 10. Juli ist Claude Code für alle Mitarbeiter verboten. Der Konzern stuft das Tool als ‘Hochrisiko-Software mit Sicherheitslücken’ ein. Die Empfehlung: Stattdessen Qoder nutzen, Alibabas eigenen Coding-Agenten.

Der Auslöser? Am 30. Juni hat ein Reddit-Nutzer namens LegitMichel777 Claude Code reverse-engineered und dabei versteckten Code gefunden. Seit Version 2.1.91 vom April hatte Claude Code stillschweigend geprüft, ob ein Nutzer sich in China befindet, über einen chinesischen Proxy zugreift oder mit einem chinesischen KI-Labor verbunden ist.

Wie der Tracking-Code funktionierte

Die Mechanik war raffiniert: Wenn Claude Code eine veränderte Base-URL erkannte (typisch für Proxy-Nutzer), startete es eine Kaskade von Checks. Systemzeitzone prüfen, Hostname gegen eine Liste bekannter chinesischer KI-Labore abgleichen, das Ergebnis dann in ein subtiles Signal im System-Prompt einbauen — konkret ein leicht verändertes Apostroph-Zeichen im Satz ‘Today’s date is’. Die Domain-Liste war hinter XOR und Base64 versteckt.

Thariq Shihipar, Ingenieur im Claude Code-Team, bestätigte auf X, dass es sich um ein ‘Experiment aus dem März’ handelte. Es sollte unautorisierte Reseller erkennen und vor Distillation schützen. Der Fix-PR wurde am 1. Juli gemergt.

Die andere Seite der Geschichte

Anthropic hat nicht grundlos paranoid gehandelt. In einem Brief an den US-Senat vom 10. Juni beschuldigte das Unternehmen Operatoren, die mit Alibabas Qwen-KI-Labor verbunden seien, den ‘größten bekannten Distillation-Angriff’ auf Claude durchgeführt zu haben — mit rund 25.000 gefälschten Accounts und 28,8 Millionen Anfragen zwischen April und Juni.

Parallel dazu hat die Financial Times am 3. Juli berichtet, dass chinesische Unternehmen kreative Umgehungswege nutzten: Ant Financial ließ Mitarbeiter über Singapur-Tochtergesellschaften auf Claude zugreifen. ByteDance erstattete Ingenieuren persönliche Claude-Abos, auf die sie per VPN zugriffen.

Warum das wichtig ist

Die Geschichte zeigt, wie politisch KI-Tools inzwischen geworden sind. Es geht nicht mehr nur um Features und Benchmarks. Es geht um Vertrauen, nationale Sicherheit und die Frage, wer was mit wessen Modellen trainieren darf.

Für Entwickler außerhalb dieses geopolitischen Spannungsfelds bleibt eine unangenehme Erkenntnis: Dein Coding-Tool kann Code enthalten, von dem du nichts weißt. Anthropic hat den Tracking-Code entfernt — aber er war drei Monate lang aktiv, ohne Erwähnung in den Release Notes.


Quellen: